Der Weg in die Leere

Was hat Management mit der Sahara zu tun?


Ich hatte das Privileg, den Jahreswechsel in der Sahara zu verbringen. 

An einem Ort, der so einsam ist, dass es keinen Handy-Empfang mehr gibt, kein Internet und auch keine sozialen Medien. Somit gab es keine Möglichkeit mit Menschen ausserhalb von der Rufweite zu kommunizieren. Ich wurde sozusagen zurückversetzt in die Zeit vor Samuel Morse.


Zu Beginn hatte ich ein sehr mulmiges Gefühl. Mein Ego spielte mit mir und stellte immer wieder Fragen wie: Was passiert, wenn du ab dem Kamel fällst und dir ein Bein brichst? Und was ist, wenn ein böser Mensch dich entführt und du von der Bildfläche verschwindest? Nach einigen Tagen beruhigte sich jedoch der Geist und ich kam zur Ruhe, zur wirklichen absoluten Stille.


In der Sahara ist es Aussen still. Das Gehör gewöhnt sich zuerst an diese Stille und mit dieser Adaption wurde es auch still in mir. Es gibt hier nichts zu tun, keine Aufgaben, keine Termine. Der Tagesablauf ist monoton und besteht aus aufstehen, mit der Karawane weitergehen, ausruhen, schlafen. Als Erstes merkte ich, dass in dieser Umgebung immer jetzt ist. Es spielt keine Rolle was gestern war und was in einer Stunde sein wird. In diesem Zustand begann ich den Augenblick mit anderen Augen zu sehen. Plötzlich sind die kleinen Dinge im Leben wieder sichtbar wie eine einsame Pflanze im kargen Boden, eine Ameise in den Sanddünen, das Geräusch des Windes und ein Sternenhimmel, welchen ich in einer solchen Pracht noch nie so wahrgenommen habe.


Wie oft mit unserem Lebensstil sind wir im Alltag mit unseren Gedanken nicht im jetzt? Wie oft denkst du an etwas Anderes, während du mit einem Menschen sprichst?

In der Abgeschiedenheit wurde mir klar, wie verdreht unser Verhalten im Alltagleben oftmals ist. Wir hetzen von Termin zu Termin, haben Meetings, Druck und müssen Ziele erreichen.


Ich habe gelernt, dass Ziele nicht wirklich förderlich sind. Ohne ersichtliches Ziel bin ich drei Wochen durch die Wüste gewandert und dennoch kam ich an: Bei mir selber! Es war und ist ein erhabenes Gefühl und klingt noch lange nach.


Ich gehe wieder! Wer lust hat mitzukommen ist herzlich eingeladen.

© 2020 Stephan Thaddey