Verantwortung übernehmen

Woher stammt das Wort und was meinen wir damit, wenn wir sagen, "du musst Verantwortung übernehmen."



Wortherkunft

Geschichtlich ist das Verb „verantworten“ im 12. Jahrhundert und das Substantiv "Verantwortung" erst im 15. Jahrhundert nachzuweisen. Es stammt von mittelhochdeutsch „verantwürten“ ab und bedeutete damals „sich als Angeklagter zu verteidigen“ oder auch „beantworten, rechtfertigen, vertreten“.



Definition

Verantwortung ist die Übernahme einer willentlichen Pflichterfüllung in Form von Handlungen inklusive deren Konsequenzen. Das bedeutet im Alltag:


Die Verpflichtung, dafür zu sorgen, dass (innerhalb eines bestimmten Rahmens) alles einen möglichst guten Verlauf nimmt, das jeweils das Notwendige und Richtige getan wird und möglichst kein Schaden entsteht und die Verpflichtung, für etwas Geschehenes einzustehen (und sich zu verantworten).


„Verantwortlich ist man nicht nur für das, was man tut, sondern auch für das, was man nicht tut.Laotse (3. oder 4. Jh. v. Chr.); chinesischer Philosoph

Was heisst Verantwortung übernehmen?

Es gibt viele Aspekte, das Thema zu beleuchten. Einige Gedanken, was Verantwortung im Leben bedeutet sind hier aufgeführt und sollen als Denkanstoss dienen. Gerade in Zeiten der Spaltung der Gesellschaft scheint mir wichtig, darüber zu nachzudenken.


Verantwortung für sein Leben zu übernehmen, bedeutet, dass wir aufhören, anderen oder den Umständen (zum Beispiel unserer Vergangenheit) die Schuld für unsere Probleme zu geben. Es bedeutet, dass wir nicht unserem Partner, den Kindern, den Nachbarn, unserem Chef unseren Kollegen den Eltern oder einer anderen Gruppe von Menschen die Schuld geben, wenn wir gereizt, nervös, aggressiv oder unglücklich sind.


Solange wir andere für unsere Probleme verantwortlich machen, sehen wir keine Möglichkeit, etwas dazu beizutragen, dass sich unsere Lage ändert. Verantwortung heisst demnach, dass wir anerkennen dass nur wir selbst etwas an unserem Unglücklichsein ändern können. Ganz viele Menschen sprechen ihre Wünsche und Bedürfnisse nicht aus. Sie getrauen sich aufgrund von Unsicherheiten und Ängsten nicht. Dahinter steht meist die Kraft der Zugehörigkeit. Menschen glauben innerlich, dass Sie die Zugehörigkeit verlieren, wenn sie offen und ehrlich kommunizieren. Manchmal erwarten sie von ihren Mitmenschen, dem Partner, dem Freund oder Arbeitskollegen, dass diese ihnen ihre Wünsche von den Augen ablesen und erfüllen. Tun die anderen dies nicht, dann hält man diese für rücksichtslos und egoistisch.


Wenn ein Mensch die Verantwortung für sich übernimmt, dann sagt er klar was er möchte.

Klar heisst, in einer Botschaft, welche keine Interpretation zulässt. Wenn ich also ins Kino möchte, dann wäre eine klare Ansage an meine Partnerin: Ich möchte heute ins Kino. Kommst du mit? Und wenn Sie nicht mit will, dann gehe ich alleine.


Verantwortung zu übernehmen, bedeutet auch, Entscheidungen zu treffen und bereit zu sein, die Konsequenzen, die sich daraus ergeben, zu tragen. Aber nicht nur das. Auch für die nicht-Entscheidungen und die nicht-Handlung bin ich als Mensch verantwortlich.


Menschen welche keine Entscheidungen treffen möchten oft die Verantwortung für eine "falsche" Entscheidung nicht übernehmen. Sie warten so lange, bis sich die Sache erledigt, oder für Sie entschieden wird. Sie haben innerlich den Anspruch nur richtige Entscheidungen treffen zu dürfen, weil sie von sich verlangen perfekt sein zu müssen, damit sie geliebt werden. Keine Entscheidung zu treffen hat meist negative Konsequenzen im Leben dieser Menschen.


Die Menschen sind sehr kreativ, wenn es darum geht, anderen eine Absage zu geben, wenn Sie keine Lust haben. Sie sagen dann Sätze wie: „Tut mir schrecklich leid. Ich habe keine Zeit. Ich habe schon etwas anderes vor, das ich nicht mehr absagen kann." Die Wahrheit ist: „Ich habe keine Lust. Mir ist nicht danach.“ Verantwortung für sich zu übernehmen, bedeutet auch, von seinem Recht Gebrauch zu machen, keine Lust zu haben.


Menschen, die die Verantwortung für ihr Handeln übernehmen kennen die Wörter „man“ oder „wir“ nicht. Stattdessen sprechen Sie in der Ich-Form.


 

Verantwortung ist nicht gleich Verantwortungsgefühl

Die Frage ist: Bin ich verantwortlich oder fühle ich mich verantwortlich?

Die Realität ist:

  • Erwachsene Menschen sind verantwortlich für Ihre minderjährigen Kinder

  • Erwachsene Menschen sind verantwortlich für alles was Sie tun, getan haben, nicht tun, und nicht getan haben

  • Erwachsene Menschen sind verantwortlich für die Abmachungen, die sie getroffen haben und für die Verträge, die Sie eingegangen sind


Kein Mensch kann für die Gefühle eines anderen Menschen verantwortlich sein. Ein Gefühl entsteht in einem Menschen, meist im emotionalen Zentrum im Bauch. Es kommt aus seinem inneren und hat mit der äusseren Welt erst mal nichts zu tun. Wenn ich traurig bin, dann ist nicht die Umwelt traurig, wenn ich glücklich bin, dann ist nicht mein Umfeld glücklich, sondern das Gefühl ist in mir.

Oft fühlen sich Menschen verantwortlich, für Dinge, Vorfälle oder Gefühle anderer Menschen, für die Sie nicht verantwortlich sind. Sie haben eine gefühlte Schuld gegenüber jemand anderem und versuchen diese auszugleichen. Zum Beispiel fühlt sich eine erwachsene Tochter / ein erwachsener Sohn verantwortlich für ihre Mutter / für Ihren Vater.

Selbstverantwortung

Menschen die in die Selbstverantwortung gehen anerkennen die Auswirkungen ihres Tuns und ihres Unterlassens. Sie tragen die Folgen davon und sind bereit mit den Auswirkungen zu leben.


Nimm dir jetzt Zeit und schau bei dir ganz genau hin:

  • In welchen Lebensbereichen hast du die Verantwortung abgegeben?

  • Wo hast du dich entschieden, dass du das Problem oder die Schwierigkeit nicht lösen willst?

  • Wo hast du dich entschieden, dass du das Problem ignorieren willst?

  • Welche Lebensbereiche sind betroffen davon? Gesundheit, Familie, Finanzen, Beruf, Karriere, Freundeskreis, Partnerschaft, andere?

  • Wo zeigst du mit dem Finger auf andere und gibts ihnen die Schuld?

  • Wo verurteilst du andere für Ihr Verhalten?



In die eigene Grösse gehen

Verurteilende Gedanken haben oft mit der eigenen Geschichte zu tun. Jeder Mensch macht in seinem Leben Erfahrungen. Diese Erfahrungen prägen die inneren Bilder, wie etwas zu sein hat, oder eben nicht zu sein hat. Die inneren Bilder wiederum steuern unser Verhalten. Unser Verhalten führt zu neuen Erfahrungen.



Willst du wachsen?

Dann beobachte dich selbst im Alltag. Sobald ein Ereignis im Aussen dich an triggert, ist es Zeit hin-zu-schauen. Setze dich mit dem Ereignis auseinander indem du wie von aussen auf dich schaust und dir klar wirst, was gerade passiert ist. Woher kennst du dieses Gefühl, welches sich gerade in dir ausgebreitet hat? Reflektiere.

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