Raunächte - ein Selbstversuch


Bereits sind einige Tage vergangen im neuen Jahr. Abends dauert es länger, bis es dunkel wird und bei uns im Flachland ist der Winter bis heute noch nicht richtig angekommen. Genau der richtige Zeitpunkt, über die dunkelsten Tage im Jahr zu berichten.


In der Zeit zwischen dem 24.12. und dem 6.1. habe ich sehr aktiv die Raunächte begangen. Der Ursprung ist in der heidnischen Tradition und das Wortes stammt von "raunen" = ein Geheimnis anvertrauen aber auch von "ruch" = Fell. In einigen Bergdörfern im Alpenraum ziehen auch heute noch Menschen in Tierfellen umher. Die Wahrheit zeigt sich. In den Masken sieht man seine eigenen dunkeln Seiten.



Ich wollte mehr über diese Tradition wissen, mehr über die Zeit, über die man sagt, dass die Schleier zu den Ahnen sehr dünn sind. Es ist eine gute Zeit für eine Innenschau und damit für eine Selbstreflexion.




Jede Nacht, welche um 24:00 beginnt steht für einen Monat. Die Nacht vom 24.12. auf den 25.12. also für den Januar des kommenden Jahres. Jede Nacht hat eine spezielle Bedeutung. Stellvertretend für die Nächte hier ein Erklärungsversuch für die keltische Sicht der ersten Raunacht.


Das Wort Weihnacht stammt übrigens vom mittelhochdeutschen Wort wihe nahten = geweihte Nächte. Es erinnert uns daran dass es um mehrere Nächte geht. Die Kelten haben den 24.12. als Start für die Raunächte gewählt, weil an diesem Tag die Erdachse gekippt ist und die Tage ab dann wieder langsam länger werden. In der Tradition der Kelten dauerte die Sonnenwende 3 Nächte, vom 21.12. bis zum 24.12.


Das Thema der ersten Nacht ist "Die Basis." Es geht also um unser Leben von Null bis sechs Jahre. In dieser Zeit haben wir als Kinder die Basisstrukturen für unser Leben bekommen und mehr oder weniger Sicherheit aufgebaut. Vor allem die ersten 4 Jahre sind sehr prägend für den späteren Verlauf im Leben. Wir sind als Kinder mit sechs Jahren erst richtig auf der Erde angekommen. Erde steht für Sicherheit. Im menschlichen Körper wird diese Sicherheit durch die Knochen repräsentiert. Sie stehen für Sicherheit und Stabilität.


Um was geht's in dieser Nacht?

-Klarer Kopf

-Klare Strukturen

-Grenzen setzten

-Sich zurück nehmen

-Das Leben selbst in die Hand nehmen


Fragen die ich mir dazu stellen kann:

-Wie feiere ich Weihnachten?

-Setze ich Grenzen?

-Was tut mir gut?

-Worauf habe ich Lust?

-Bin ich bereit mich jetzt der Familie auszusetzen?

-Wo gilt es, mich zurück zu nehmen. Beruflich, familiär, sozial.



Die Beantwortung solcher Fragen war ein sehr spannender Prozess. Jede Nacht kam ein weiteres Thema dazu und so ist ein Tagebuch entstanden, welches ein doch recht klares Bild meiner derzeitigen Entwicklung abgibt.


Für mich war es eine sehr bereichernde Erfahrung, diese 12 Nächte so bewusst zu durchleben, bewusst auf Rummel in der Zeit zu verzichten und bewusst mich mit mir auseinander zu setzen. Es war auch auf eine Art reinigend. Vieles wurde klar, altes konnte ich loslassen und neues in mein Bewusstsein bringen.


Letztlich waren diese Nächte auch voller sehr schönen Rituale - ja auch mit Räuchern. Eines ist klar. Ich werde auch im 2020 die Raunächte wieder bewusst begehen und mir die Zeit nehmen, die es braucht für eine Innenschau. Warum? Weil es einfach gut tut und Klarheit schafft.



#Bewusstwerden #Menschen #Rituale #Rächern #Raunächte


© 2020 Stephan Thaddey